Zum 165. Geburtstag von Oscar Wilde in seiner höchstpersönlichen Anwesenheit im Jüdischen Theater Bukarest

30. Oktober 2019 by PM-Ersteller

Ein Musical nach der Komödie BUNBURY von Oscar Wilde feiert sein Revival in der rumänischen Hauptstadt. Guten Abend Herr Wilde!/Buna seara, domnule Wilde! (1971) von Eugen Mirea und Henry Malineanu

BildDie Komödie mit dem deutschen Titel „Bunbury“ oder „The Importance of Being Earnest“ (1895) gehört zu den erfolgreichen Salonstücken Oscar Wildes, in denen er geistreich und ironisierend die Herren und Damen der Oberschicht attackierte, ohne jedoch ihr parasitäres Leben grundsätzlich in Frage zu stellen. Wilde selbst betrachtete „Bunbury“ als seine beste Komödie. Sie ist zugleich Ausgangspunkt für etliche musikalische Bühnenbearbeitungen. Die erste Variante stammt von 1958 – Half in Earnest (Musik und Textbuch Vivian Ellis), mit der Wiederaufnahme 1968 – Found in a Hand-Bag. 1960 dann eine zweite Variante – Ernest in Love (Musik Lee Pockriss, Textbuch Anne Croswell), und 1964 – Mein Freund Bunbury, ein Musical von Gerd Natschinski, Texte von Helmut Bez und Jürgen Degenhardt, deutsche Uraufführung 1964 im Metropoltheater (Ost)-Berlin, Staatsoperette Dresden 1965, wird heuer wieder in Brandenburg an der Havel gefeiert.

„Eine der interessantesten Varianten ist, ohne Zweifel, die rumänische Version – Guten Abend Herr Wilde!/Buna seara, domnule Wilde! (1971), eine Komödie von Eugen Mirea, mit der Musik von Henry Malineanu. Das Textbuch folgt exakt Storyline und Sinn des Wildschen Originals. Das Musical aber schafft noch eine neue Figur, Oscar Wilde selbst, eine ironische Stimme, die die Rolle eines modernen antiken Chores übernimmt. Die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts im viktorianischen England, in der sogenannten High Society. Der junge Jack Worthing möchte Gwendolen Fairfax heiraten, die Tochter der Lady Bracknell. Aber wegen seiner ziemlich düsteren Vergangenheit (er wurde in einem Koffer auf einem Gleis des Londoner Victoria Bahnhofs gefunden) ist Lady Bracknell strikt gegen die Heirat, obwohl Jack eng mit ihrem Neffen Algernon Montcrieff befreundet ist. Jack findet heraus, dass sein Freund ein Doppelleben führt, und sich ein Alter Ego „Bunbury“ geschaffen hat, um ab und zu seiner High Society-Pflichten zu entfliehen. Aber derselbe Algernon lernt die junge Cecily Cardew kennen, in die er sich auf den ersten Blick verliebt. Nach einer Serie Streiten und Versöhnen, Verwirrungen und Enthüllungen, endet das Stück mit drei Hochzeiten: die der beiden jungen Paare und eine zwischen Erwachsenen – Cecilys Gouvernante Miss Prism und dem Priester Dr. Chasuble (…)“
(Maria Zarnescu – Die Geschichte eines Musicals – Guten Abend, Herr Wilde!)

Guten Abend Mr. Wilde!/ Buna seara, domnule Wilde! von Eugen Mirea, mit der Musik von Henry Malineanu am 16.10.2019 im TES
Eine rasante, feinsinnige, spitzfindige Inszenierung in einem erdachten minimalistischen, viktorianischen Umfeld, das von der Moderne im Stil von Oscar Wilde inspiriert ist, wunderbar inszeniert vom Regie Shooting-Star Andrei Majeri und mit voller Hingabe an die Spielfreude gesprochen, gesungen und getanzt von Mitgliedern des Ensembles Arabela Neazi alternierend mit Theaterchefin Maia Morgenstern als Lady Bracknell, Darius Daradici (Oscar Wilde), Geni Brenda Vexler / Viorica Banta? (Miss Prism), Mihai Prejban / Veaceslav Grosu (Pastor Chasuble), Nicolae Botezatu (Majordomus Merriman, Lane), sowie den vier Gastdarstellern Andrei Miercure (Algernon Moncrieff), Ionu? Grama (Jack Worthing), Lorena Luchian (Gwendolen Fairfax) und Alexandra Murarus (Cecily Cardew).

Die Frauen sind die Starken in dieser Inszenierung, sie gehen schamlos ran an die Kerle: ein ganz neues Oscar Wilde Feeling mit Frauen-Power. Ihre Kostüme im neu erdachten, opulent viktorianischen Stil vom gefragten Designer und Hochschullehrer Lucian Broscatean, mit Krinolinen, die nur einen einzigen Sinn zu haben scheinen, nämlich, dass die Männer darunter zur sichtbaren und hörbaren Freude der Frauen abtauchen können.

Majeri erzwingt eine ästhetische Überarbeitung des ironisch viktorianischen Universums des Stücks, wobei er durch uptodate Feinheiten dieser Komödie die Moral liest und sie allgemeingültiger macht. „Eine Gesellschaft voller Leichenschauhäuser kann heute nur noch reaktiv, detailgetreu und simpel erscheinen, über unzählige Masken wird diese Show transportiert.“ (Andrei Majeri, Regisseur) Man gewinnt von Minute zu Minute den Eindruck, als ob das Stück durch diese Indikationen seine Akteure verbessert, indem sie ihnen freien Lauf lassen, und zwar so, dass sie sowohl zum Text als auch zu den Regieabsichten vollends kongruent sind. Dies ist zum Teil auch der Choreografie von Attila Bordás geschuldet, der im Zusammenspiel mit dem Regisseur ein temporeiches und nie still zu stehendes Vaudeville Spektakel zaubert.

Die Show unterhält, entspannt und zwingt trotzdem zweieinhalb Stunden gekonnt, an allen Unternehmungen der Charaktere auf der Bühne teilzunehmen: Falsche Identitäten, Hoaxes und Bindestriche. Geschichten, die im Verlauf der Handlung verwickelt, verflochten und wieder entfaltet werden. Liebe, Leiden, Leidenschaft, alles mischt sich in einer gut sortierten und punktgenau abgelieferten Situationskomik.

„Guten Abend, Herr Wilde! ist ein perfektes Beispiel einer gut gemachten Komödie. Dieses Musical von Henry Malineanu und Eugen Mirea, basiert auf der Handlung von Oscar Wilde und alle Inszenierungen des Theaterstücks waren bislang extrem erfolgreich. Seine Rückkehr in die rumänische Theaterwelt, die Neuinszenierung des Jüdischen Staatstheaters Bukarest, forderte auch einen neuen ästhetischen Zugang zum viktorianischen Universum, das vom Stück ironisiert wird. Die Regie konzentriert sich auf das Verborgene hinter den Wörtern, unterstreicht die Feinheiten dieses Spiels der Moralitäten zum Vorteil des Ganzen. Eine Gesellschaft voller Betörung und Masken ist auch heutzutage präsent und genau über etliche unserer Masken spricht die Inszenierung. All das begleitet von der ansteckenden Musik.“ (Andrei Majeri, Regisseur)

Und dann die Musik!
Ganz im Stil der 70er schufen der jüdische Schauspieler, Schriftsteller und Texter Eugen Mirea (1894- 1973) und der ebenfalls jüdische Romanzen-, Operetten-, Film- und Theatermusik-Komponist Henry Malineanu (1920 -2000) ein Musical aus Songs und Couplets im Stil von Vaudevilles, Opéras comiques und Singspielen. Feinsinnige und hintergründig geschliffene, schlagerhafte Reprisen mit unverkennbarer Lust an Heiterkeit und Sehnsucht bohren sich als Ohrwürmer in die Köpfe der Besucher. Einige davon verbleiben im puren Amüsement, wohingegen andere durch ihre Offenheit und Botschaft begeistern.

Alexandra Murarus und Lorena Luchian sind die stolzen und schönen Cecily und Gwendolen, die bei Bedarf energisch frech, romantisch und zart können, wenn die Rolle es erfordert. Mihai Prejban und Viorica Bantas werden ein nettes Paar in ihrem Stück „Ich will dich, aber es ist nicht erlaubt und es gefällt nicht … aber ich will dich immer noch“. Arabela Neazi ist entzückend in der Rolle der anspruchsvollen Lady Bracknell. Gut dosiert verleiht sie der bizarren Komik einen besonderen Geschmack. Darius Daradici führt uns mit sicherer Hand durch die Handlungsstränge der Rolle von Oscar Wilde, und Nicolae Botezatu bewältigt die Doppelrolle als Majodomus und Lane.

Andrei Miercure lebt den verspielten Algernon Moncrieff. Und er ist gut in dieser Interpretation. Er mag diese Rolle, er genießt sie und geht mit Frische und einem jugendlich selbstverständlichen Enthusiasmus darin auf. Er singt so gut wie er spielt und während er spielt, sprudelt er vor Energie. Und last not least Ionut Grama, den ich seit seinen Anfängen kenne. Dieser charismatische Charmeur mit geschmeidigem Timbre in Sprache und Ton gibt in Spiel und Gesang den perfekten Jack Worthing ab. Ihm gehört die Bühne, sobald er präsent ist. Die Herzen der Frauen (und Männer) fliegen dem Könner zu, nicht nur im galanten Spiel mit Cecily, Gwendolin und Algernon.

Ein mehrfaches Muss für das jüdische Theater, sich dieses Stücks gerade heute anzunehmen, und sich damit ins Bewusstsein zu rufen, wo Antisemitismus vieler Orts wieder unverblümt aufflammt Leider reicht das Geld nach staatlichen Streichungen nicht für regelmäßige Aufführungen, jedoch sollte man -wenn eh möglich- einer erneuten Wiederaufnahme ab Januar 2020 in Bukarest oder danach in einer der größeren Städte Rumäniens unbedingt anschauen. (teatrul-evreiesc.com.ro/en/) Es lohnt so sehr. (Dieter Topp)

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2010 berichteten wir erstmalig vom BITEI-Theaterfestival in Chisinau/Moldau unter dem Aspekt der Information über Ost-West-Theater in vorwiegend russisch sprechenden Ländern. 2011 ist das Internationale Theaterfestival Sibiu/Hermannstadt (RO) hinzugekommen; weiterhin berichtet PPS für die Philharmonie (Müpa) Palast der Künste, Budapest (HU). Anlässlich des 3. Int. Theaterfestivals Tbilisi (Tiflis, Georgien) und des 1. Festival of Puppet Theatre, Sachalin, Russland, waren wir 2011 alleinig als deutsche Pressevertreter eingeladen. 2012 wurde die Leitung von PPS als europäischer Beobachter, Berichterstatter und internationaler Juror zum 30. Fadjr Festival nach Teheran gebeten. Das Jahr endete mit der erfolgreichen PR-Kooperation für Janacek-Musikfestival, Brünn (CZ). Seit Anfang 2013 hat die Ungarische Staatsoper, Budapest, unsere Agentur zur regelmäßigen Berichterstattung gebeten. 2015 hat die Kooperation mit dem Staatlichen Akademietheater Opereta Kyiv , 2016 mit Int. Monodrama Festival Fujairah (UAE)und Int. Scientific Conference of The Academy of Arts, Kairo., TESZT Festival des ungarischen Theaters Timisoara (RO) und THESPIZ Monodramafestival, Kiel, Deutschland …

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